Einführung

Hier erwarten Sie nicht die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern grund- sätzliche Überlegungen. Es ist mir ein Anliegen Ihnen die Gedanken meiner Lehrer Otto Wolff und Siegfried Wagner näher zu bringen.

Wer sich mit der Ernährung beschäftigt, wird festgestellt haben, dass auf kaum einem Ge- biet so viele Widersprüche existieren wie auf dem der Ernährung. So ist es zwar eine Tat- sache, dass in entwickelten Ländern in Friedenszeiten Nahrungsmittel im Überfluss vor- handen sind, weshalb viele Menschen überzeugt sind, dass unsere Ernährung so gut ist wie nie zuvor. Andere Stimmen behaupten sogar,  dass die heutige Ernährung qualitativ so schlecht sei wie nie zuvor. Deshalb müsse man zurückgehen zu der ursprünglichen Ernäh- rung des Menschen.

Aber was ist die Urnahrung? Fleisch sagen die einen, Brot die anderen. Aber welches Fleisch und welches Brot? Für manche ist selbstverständlich, dass nur Vollkornbrot wirk- liches Brot sei, andere warnen sogar davor und empfehlen nur Weissbrot, da dieses keine Verdauungsprobleme verursacht. Ebenso sind viele Menschen überzeugt, dass nur Roh- kost gesunde Nahrung ist, schliesslich kocht und brät kein Tier. Andere aber argumen- tieren, dass erst durch das Kochen die Nahrung verdaulicher, verträglicher wird und Roh- kost deshalb unverträglich ist.

Zu diesen offensichtlichen Widersprüchen gesellt sich die immer noch andauernde Aus- einandersetzung, wie schlecht Fett für uns sei und vor welchen Fetten man besonders war- nen müsse.

Der heutige Mensch verlangt Beweise. Das Groteske ist, dass jeder der gegensätzlichen Vertreter Beweise vorbringt, oft eigene Erfahrungen, etwa der Art, dass der betreffende jahrelang krank war, bis er die von ihm empfohlene Ernährungsform eingehalten hat. Sei- ne Schlussfolgerung lautet: Würden alle Menschen so essen, dann wären alle gesund.

Selbstverständlich hat sich auch die Wissenschaft der Ernährung angenommen. Es ist heute genau untersucht, was der Mensch braucht: wieviele Kalorien, Vitamine, Eiweisse, Fette usw. Ebenso klar ist, dass die Forschung eigentlich nie abgeschlossen sein kann und immer wieder etwas Neues hinzukommt, das sofort weltweit verbreitet wird, wodurch das Alte als völlig überholt gilt. Damit soll keinesfalls gesagt werden, dass die wissen- schaftlichen Ergebnisse falsch sind!

Was soll man nun tun? Alles Vorschläge ausprobieren? Alles irgendwie Gefährliche weg- lassen? Zu diesem Dilemma schrieb Mark Twain: "Das sicherste Nahrungsmittel ist Was- ser - in mässigen Mengen genossen". Doch selbst das gilt heute nicht mehr.

Wir sind nur nicht gefährdet, wenn wir traditionelles Verhalten an den Tag le- gen, jedoch sind wir immer gefährdet, wenn wir experimentieren!

Sie können machen, was Sie wollen, nur, wenn Sie glauben, etwas machen zu müssen, ohne das traditionelle Wissen zu benutzen, dann leben Sie in jedem Fall riskant.

Wie kann man die erwähnten Widersprüche verstehen und zu einem selbständigen Urteil kommen? Diese Widersprüche zeigen ein Grundproblem des heutigen Lebens: Man weiss unendlich viele Einzelheiten, kann diese sogar messen, aber das Wesentliche einer Sache wird nicht erkannt, ja oft nicht einmal gesehen.

Literatur:
Otto Wolff: Was essen wir eigentlich? Verlag freies Geistesleben, ISBN 3-7725-1244-5 Siegfried Wagner: der Geschmacksinn und seine arzneiliche Bedeutung, Haugverlag, ISBN 3-7760-1634-5